Ein weiteres zentrales Element dieses Blogs: Baustellen-Updates. Rundgänge durch Orte, Fotoserien zu aktuellen Projekten, Sanierungen, Neubauten, Abrissen, Umgestaltungen usw.
Wir fangen mit einem aktuellen Rundgang zu den Neubrandenburger Baustellen an :)
Alle folgenden Fotos stammen von mir und wurden am 26.8.2009 geschossen.
NEUBRANDENBURG (NB): Baustellen-Update August 2009
HINWEIS: Kleine Vorschaubilder (Thumbnails) anklicken für volle Auflösung!
Blau hinterlegte Links anklicken für zusätzliche Informationen.
Eine der letzten großen Sanierungslücken der Neubrandenburger Innenstadt wird endlich geschlossen: Das Karree aus Krämerstraße (auf dem Luftbild links), Darrenstraße (vorne), Beguinenstraße (auf dem begrünten Innenhof) und Dümperstraße (hinter dem roten Eckbau). Die Sicht vom Turm d. Haus der Kultur und Bildung (unter Einheimischen als "Kulturfinger" bekannt zeigt das Ende August fast vollständig sanierte Karree aus der Vogelperspektive.Dies zur Übersicht, später noch mehr Aufnahmen von oben.

Bei der Sanierung hat man viel Sorgfalt walten lassen, wie bei den meisten anderen Sanierungen von DDR-Nachkriegsbauten im Zentrum auch. Der Baustil, den wir hier sehen (vorallem auf dem folgenden 2. Bild zu erkennen), schimpft sich Sozialistischer Klassizismus (auch als "Stalinismus" bezeichnet). Dieser Stil bescherte den ostdeutschen Städten in den frühen Jahren des DDR-Aufbaus zwar keine maßstäblichen Bauten, aber dennoch passten sich die historisierenden Neubauten meist recht gut in die Altstädte ein und wurden z.T. mit Ornamenten und anderen klassischen Stilelementen (Arkaden, Erker, Dachgauben, Giebel usw.) versehen. Zudem schufen sie dringend benötigten Wohnraum. Der stalinistische Baustil währte noch etwas über den Tod Josef Stalins (1953) hinaus, etwa bis 1960. Danach baute man überwiegend modernistisch, später kam die "effiziente" Plattenbautechnik hinzu. Doch dazu später in einem gesonderten Spezialbeitrag mehr.
Krämerstraße - roter Eckbau zur Dümperstraße [1], Straßenfront in unterschiedlich abgesetzten Farben, mit rustifiziertem Erdgeschoss (eine Erfindung der Sanierung, das gab es vorher nicht - genauso wie die Profilkante. Auf jeden Fall zu begrüßen, die Bauten gewinnen dadurch enorm!) [2]


Darrenstraße - hier wurden teilweise auch die Reliefs über den Türen wiederhergestellt


Beguinenstraße - ehemals dicht umbaute Gasse mitten in der Altstadt, befinden wir uns hier jetzt auf dem Hinterhof des sanierten Karrees. Die sozialistischen Neubauten hielten die früheren Grundstücksgrenzen und Straßenfluchten leider oft nicht ein. Immerhin hat man hier bei der Sanierung die alten Balkone saniert, statt sie zu ersetzen. Es sind aber auch neue hinzugekommen, wo zuvor keine waren.


Beguinenstraße - der letzte Block des Sanierungsgebiets hinter dem Marktplatz-Center putzt sich raus. [1], Blick auf die Polizeidirektion [2]


Darrenstraße - Auf dieser Straßenseite werden noch Wärmedämmplatten angebracht. Normalerweise für Altbauten nicht erfreulich, kann man sich hier angesichts der guten Sanierungsresultate wohl damit arrangieren. Der hintere Teil zum Marktplatz-Center ist nahezu fertiggestellt.


Nun besteigen wir den bereits erwähnten HKB-Turm (Kulturfinger)
Der Aufstieg (bzw. die Auffahrt mit dem Fahrstuhl) ist kostenlos.Oben angelangt, fällt der Blick auf den neu gestalteten Marktplatz von Neubrandenburg.
Leider ist das Resultat ein höchstens bescheidener Anblick, hier wurden die Potentiale, etwas Nachhaltiges und für die Bürger Ansprechendes zu schaffen auf absehbare Zeit verspielt. Aber seht selbst.
Unmaßstäbliches Marktplatz-Center (ECE-Kette, was sonst) mit der neuen Platzgestaltung davor
In Entstehung befindliche Platzgestaltung vor dem HKB (Haus der Kultur und Bildung) [1],Zoom an die Fontänenanlage vor dem HKB [2] - hier muss eigentlich das Alte Rathaus rekonstruiert werden, zumindest dessen Umrisse hätten in die Anlage mit einfließen müssen. Geschichstbewusstsein oder Ortskenntnis bei den Dresdner Architekten (s. Dresdner Postplatz)? Nada.

Marktplatz - im Hintergrund der Tollensesee. Im Vordergrund eine der DDR-Bausünden im Zentrum, das grobschlächtige Radisson SAS Hotel [1], Zoom an einen Aufgang von der Tiefgarage, natürlich alles Beton und Glas, oh weh [2]

Erneuter Blick auf das Radisson, mit Werbung für den See. Leider kriegt die kaum ein Besucher zu sehen, die wenigsten trauen sich bis auf den geschundenen Marktplatz (und wandern lieber am Wall oder an der Mauer entlang) [1], Es entstand eine neue Bausünde: Betonluftschacht, der wie ein Pilz aus der völlig überflüssigen Tiefgarage (Auslastung: 15%) sprießt. Tolle Wurst! [2]

Zoom auf das Betonunglück [1], davor unförmige modernistische Leuchtstelen und klotzige Sitzgelegenheiten.. Sehr einladend![²]

Blick am Marktplatz-Ungetüm vorbei die Stargarder Straße entlang (Stargarder Tor im Hintergrund, rechts die Marienkirche / Konzertkirche) [1], Blick auf den Parkplatz hinter dem HKB mit der Tiefgarageneinfahrt rechts hinter den Bäumen (im Hintergrund: Polizeidirektion und Fangelturm) [2]

Wenden wir uns erfreulicherem zu: Die Stargarder Straße selbst hat einen hochwertigen neuen Belag erhalten, endlich fußgängerfreundlichere Bordsteine und qualitativ brauchbare Granitplatten auf dem Fußweg. Allerdings hätte man gleich konsequent alles neu pflastern müssen auf dieser Seite.
Und zum Abschluss ein Blick auf die neu eingedeckte evangelische Kirche St. Johannis. Das Dach sieht aus wie neu, ob das wirklich positiv ist, sei mal dahingestellt.. Die schöne Patina ging durch die Dachsanierung verloren, aber das ist in Deutschland ja leider oft gewollt.
